Allgäuer Manifest für eine regionale Agrarwende
Dieses Manifest ist beim 1. Allgäuer Kongress zur regionalen Agrarwende in Weitnau entstanden. Menschen aus Landwirtschaft, Wissenschaft, Politik, Wirtschaft und Gesellschaft haben gemeinsam darüber gesprochen, was das Allgäu geprägt hat, was sich verändert und welche Zukunft wir für unsere Land- und Ernährungswirtschaft wollen.
1. Woher wir kommen
Das Allgäu ist über Generationen aus dem Zusammenspiel von Menschen, Tieren und Landschaft entstanden. Landwirtschaft, Weide- und Alpwirtschaft haben unsere Kulturlandschaft, unsere Dörfer, unser Wissen und unsere Identität geprägt.
Dafür empfinden wir Dankbarkeit und Respekt. Wir wollen das Vergangene nicht verklären, aber bewahren, was uns auch in Zukunft trägt.
2. Was wir sehen
Die Bedingungen verändern sich stark: Klima und Wetter, Märkte und Kosten, politische Rahmenbedingungen und gesellschaftliche Erwartungen. Höfe, Weidewirtschaft, bäuerliches Wissen, Handwerk und regionale Wertschöpfung sind unter Druck geraten. Landwirtschaft muss sich unter diesen Bedingungen weiterentwickeln, wenn sie langfristig bestehen will. Wir sehen aber auch Motivation, Erfahrung und die Bereitschaft, neue Wege zu gehen.
3. Wohin wir wollen – unser Nordstern
Wir bekennen uns zu einer regionalen Agrarwende, die ökologische Grenzen, Tierwohl und wirtschaftliche Tragfähigkeit nicht gegeneinander ausspielt, sondern miteinander verbindet.
Wir wollen eine vielfältige, flächenangepasste Landwirtschaft, in der die Kuh und die Weide wieder stärker zusammenfinden, regionale Wertschöpfung erhalten und weiterentwickelt wird und junge Menschen eine Perspektive sehen. Die Kuh steht dabei für alle Weidetiere.
Wir wollen die Geschichte der Allgäuer Landwirtschaft neu erzählen – aus ihrer Realität heraus, mit Stolz auf das, was sie leistet, und mit unternehmerischer Weitsicht, ihre Zukunft neu zu gestalten. Unser Ziel ist kein Zurück, sondern ein „buntes Allgäu“ für heute und morgen.
4. Was bleiben muss – das Unverhandelbare
Die Würde von Menschen, Tieren, Boden und Landschaft ist für uns unverhandelbar. Wir alle tragen Verantwortung dafür, unsere natürlichen Lebens- und Produktionsgrundlagen zu erhalten und unsere Kulturlandschaft als lebendigen Wirtschafts-, Lebens- und Naturraum zu bewahren und weiterzuentwickeln.
Bleiben müssen das Wissen und Können derer, die das Land bewirtschaften, und lebendige Höfe, die eine Zukunft haben und weitergegeben werden können.
5. Wie wir gehen – unsere Haltung
Wir gehen diesen Weg mit Respekt und Mut zur Veränderung. Wir begegnen einander auf Augenhöhe, hören einander zu und nehmen unterschiedliche Erfahrungen, Interessen und Standpunkte ernst.
Wir verstehen die regionale Agrarwende als gemeinschaftlichen und demokratischen Prozess. Nicht jeder muss denselben Weg gehen und nicht alle müssen in allem einer Meinung sein. Aber wir wollen miteinander statt übereinander reden, voneinander lernen und offen darüber sprechen, was nicht mehr trägt und was wir erhalten wollen.
Wir wollen Landwirtschaft und Gesellschaft wieder stärker miteinander in Beziehung bringen und gemeinsam Neues möglich machen.
6. Wofür wir selbst einstehen
Die regionale Agrarwende ist nicht allein Aufgabe der Landwirtschaft. Sie betrifft uns alle.
Wir warten deshalb nicht darauf, dass andere anfangen.
Wir verpflichten uns, die regionale Agrarwende nicht nur zu fordern oder zu diskutieren, sondern sie in unserem jeweiligen Bereich mitzutragen und konkret voranzubringen. Wir übernehmen Verantwortung für das, was wir beeinflussen können, und suchen gemeinsam Wege für das, was keiner von uns allein verändern kann.
Wir kommen gemeinsam in Bewegung.
Weitnau, 26. September 2026
