Initiative "Regionale Agrarwende"
Was bedeutet "Regionale Agrarwende"?
„Agrar“ steht für Landwirtschaft und Landnutzung. Beides ist eng mit unserem Ernährungssystem verbunden, also mit der Frage, wie Lebensmittel erzeugt, verarbeitet, gehandelt und konsumiert werden.
„Wende“ bedeutet, etwas umzudrehen, abzubiegen, eine neue Perspektive einzunehmen, andere Seiten zu entdecken oder neue Wege zu erproben. Dabei können wir auf Bewährtem aufbauen und zugleich offen sein für das, was sich verändern muss. Die Agrarwende beschreibt die Aufgabe, unsere Land- und Ernährungswirtschaft unter veränderten Bedingungen zukunftsfähig zu gestalten.
„Regional“ bedeutet für uns: Wir setzen im Allgäu an. Denn eine Agrarwende muss zu den Böden, dem Klima, den Betrieben und den Menschen vor Ort passen. Hier werden allgemeine Fragen konkret. Hier können wir gemeinsam Lösungen entwickeln, erproben und aus den Erfahrungen lernen. Die Zusammenarbeit in der Region ermöglicht es, Veränderungen sinnvoll und zügig umzusetzen.
Klimawandel, der Verlust biologischer Vielfalt sowie wirtschaftliche und gesellschaftliche Veränderungen stellen die Landwirtschaft vor neue Herausforderungen. Mit der Initiative Regionale Agrarwende schaffen wir einen gemeinsamen Rahmen, um ihnen zu begegnen, und bringen Menschen zusammen, die die Zukunft der Land- und Ernährungswirtschaft im Allgäu mitgestalten möchten.
Wie alles begann
Begonnen hat alles mit KUHproKLIMA, einem EIP-Agri-Projekt von 2020 bis 2023. Sieben Allgäuer Milchviehbetriebe haben damals gemeinsam mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern und weiteren Partnern Strategien für eine ressourcenschonende und widerstandsfähige Grünlandbewirtschaftung erprobt. Ein Schwerpunkt war die ganzheitlich geplante Beweidung und ihr Einfluss auf Pflanzen und Boden. Es ging darum, die natürlichen Grundlagen der Betriebe zu stärken und sie besser auf veränderte Klimabedingungen vorzubereiten. Geforscht und ausprobiert wurde direkt auf den Höfen, gemeinsam mit den Menschen, die sie bewirtschaften.
Diese Zusammenarbeit wollten wir weiterführen und für weitere Menschen und Themen öffnen. Dafür brauchte es einen verlässlichen Rahmen, der über die Laufzeit eines einzelnen Projekts hinausreicht. Mit der Gründung der AERA Land gGmbH haben wir diesen Rahmen geschaffen und Landwirtschaft, Wissenschaft und weitere engagierte Menschen zusammengebracht, um gemeinsam an einer zukunftsfähigen Landbewirtschaftung zu arbeiten.
Seitdem sind weitere Forschungs- und Bildungsprojekte hinzugekommen. Sie unterstützen den Erfahrungsaustausch und die Weiterbildung und bringen hilfreiche Werkzeuge für die Betriebe hervor. Ein wichtiger Meilenstein ist das europäische HORIZON-Projekt GroundWork. Darin haben wir zwei Aufgaben, die eng zusammengehören. Gemeinsam mit landwirtschaftlichen Betrieben und wissenschaftlichen Partnern untersuchen wir, wie sich Beweidung auf die Bodengesundheit auswirkt. Und wir bauen ein Reallabor auf, ein sogenanntes Living Lab, in dem neue Ansätze gemeinsam entwickelt, erprobt und wissenschaftlich begleitet werden.
Dieses Reallabor heißt AGRI FUTURE LAB Bayern, kurz AFL. Es bringt Landwirtschaft, Wissenschaft, Zivilgesellschaft und weitere Partner zusammen und schafft Raum, Neues unter echten Bedingungen auszuprobieren, bevor es sich in der Breite bewähren muss. Die Forschung zur Bodengesundheit durch Beweidung ist ein erster Schwerpunkt. Langfristig sollen hier auch weitere Fragen zur Zukunft der Landbewirtschaftung aufgegriffen und bearbeitet werden. Deshalb soll das AFL über die Laufzeit von GroundWork hinaus bestehen und weiterwachsen.
Auf den Höfen und im Reallabor haben wir aber auch gelernt, dass vieles nicht allein auf dem Betrieb entschieden wird. Was ein Hof verändern kann, hängt ebenso von Verarbeitung und Handel ab, von politischen Regeln und von dem, was Menschen erwarten und einkaufen. Deshalb öffnen wir mit der Initiative Regionale Agrarwende den Austausch für die ganze Region. Der 1. Allgäuer Kongress 2026 bildet dafür den Auftakt. Er bringt unterschiedliche Erfahrungen und Sichtweisen zusammen, damit wir gemeinsam herausfinden, wo wir ansetzen können und welche nächsten Schritte wir im Allgäu miteinander gehen wollen.
Für ein Allgäu voller Vielfalt - heute und morgen.
Mit der Regionalen Agrarwende setzen wir uns für eine Land- und Ernährungswirtschaft ein, die unsere Region trägt und ihre Zukunft stärkt - als Wirtschafts-, Lebens- und Naturraum.
Wie wir vorgehen
Wir suchen das Gespräch mit Menschen aus Landwirtschaft, Wissenschaft, Behörden und Politik, mit Bürgern und Bürgerinnen sowie mit Organisationen und Unternehmen. Gemeinsam wollen wir herausarbeiten, wo der dringendste Handlungsbedarf besteht und welche Veränderungen wir zuerst angehen sollten. Wir verbinden vorhandenes Wissen, Erfahrungen aus der täglichen Praxis und aus dem Alltag mit wissenschaftlichen Erkenntnissen und unterschiedlichen Voraussetzungen aus den vier Allgäuer Regionen. Wir wollen aber nicht beim Austausch bleiben, sondern suchen Wege ins Handeln zu kommen.
